Geschichte des Ortes

Von der Gleichschaltung zur Vielfalt

100 Jahre militärische Nutzung – 100 Jahre Gleichschaltung von Denken und Handeln. Diese Haltung hat das Leben in der ehemaligen Winkelhausenkaserne geprägt, auf dessen Gelände sich heute das K.A.F.F. befindet. Das hat sich sehr radikal geändert. Jetzt ist hier ein Ort der offenen Begegnung entstanden, an dem Vielfalt als Bereicherung empfunden wird und buntes Leben entsteht. An Stelle von Gleichschaltung und militärischem Drill ist Freiheit und gegenseitige Achtung getreten. Diese neuen Herausforderungen wollen gestaltet sein.

Erster Weltkrieg

Bis 1911 wurde hier Landwirtschaft betrieben, anschließend wurde das Gelände militärisch genutzt. Im nordöstlichen Teil wurde 1913 ein Flugplatz gebaut, die Netter Heide. Im ersten Weltkrieg von 1914-18 diente das Gelände als Trainingsfeld für Soldaten der Caprivi-Kaserne, in der auch Erich-Maria Remarque militärisch ausgebildet wurde1. In nachgebildeten Schützengräben wurde dort für die Front trainiert. In den Vorbereitungen auf den 2. Weltkrieg wurde auf dem Gelände die Winkelhausen-Kaserne errichtet und 1935 feierlich eröffnet. Namensgeber war Oberst Willy Carl Winkelhausen, der im ersten Weltkrieg an der Eroberung Frankreichs beteiligt war. Auf der aktuellen Homepage der Familie2 heißt es: „Aufrecht stehend leitete er den Sturm, bei dem 3 Offiziere und 30 Unteroffiziere und Mannschaften fielen.“ Hier wird bis heute ein Kriegsheld inszeniert und die beim Angriff gestorbenen Soldaten finden nur nebenbei als „Mannschaften“ Erwähnung. Dieser Teil der Geschichte und die Art des Umgangs damit gehören auch zu diesem Ort. Sie fordert uns heraus, hier einen friedlichen Ort der Begegnung zu gestalten, an dem Menschen unabhängig von Herkunft, Glaube oder Hautfarbe willkommen sind.

Zweiter Weltkrieg

In den Jahren 1937/1938 wurde die Kaserne durch ein sogenanntes Heeresverpflegungslager ergänzt, das der Lebensmittelversorgung von Truppenteilen der Deutschen Wehrmacht diente. Das Gebäude mit dem Uhrenturm, in dem wir heute das K.A.F.F. betreiben, war bis 1945 das Verwaltungsgebäude des Heeresverpflegungslagers und somit ein wichtiger Bestandteil der Versorgungsstruktur der Wehrmacht.

Nicht nur Remarque war an diesem Ort Soldat, auch Heinrich Böll war hier stationiert. Am 28. August 1939 wurde er in die Winkelhausen-Kaserne eingezogen und dort zum Schützen der deutschen Wehrmacht ausgebildet. Hier schrieb er einen Teil seiner Briefe aus dem Krieg.3

Britische Besatzungszone

Nach 1945 wurden die Kasernen zunächst als Unterkunft für ehemalige Zwangsarbeiter*innen und ehemalige Kriegsgefangene genutzt. Im Jahre 1947 wurde das gesamte Gelände durch die Britischen Streitkräfte übernommen und in „Roberts Barracks“ umbenannt.4 Im Gebäude mit dem Uhrenturm wurde die Militärpolizei untergebracht. Anfang 2009 wurde die Kaserne von den Briten an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben und 2010 von der ESOS, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Osnabrück, übernommen. Danach stand das Gebäude überwiegend leer.

Heute

Das Gebäude unterliegt heute dem Denkmalschutz. Im Februar 2017 wurde es von der Deutschen Rockmusik Stiftung aus Hannover gekauft. Seit August 2017 haben wir den Längsteil mit dem Uhrenturm gemietet. Beim Einzug fanden sich noch viele Spuren der britischen Militärs. Wir freuen uns, dass wir unseren Beitrag dazu leisten können, der jahrzehntelangen Nutzung im Zeichen des Krieges ein Ende zu bereiten und hier nun an einer friedlichen, respektvollen und nachhaltigen Zukunft arbeiten können!

Nachtrag

Falls Menschen Kenntnisse über den Ort haben, über Materialien wie Fotos oder anderes verfügen oder Lust haben seine Geschichte weiter zu recherchieren, zu verstehen und daraus zu lernen, kontaktiert uns gerne!

  • 4 Oberfinanzdirektion Niedersachsen, Bau und Niedersachsen (2010): 100215 HGR Roberts Barracks Endbericht, Hannover.